"Thema con variazioni"
Drei Grafiken in 35 Varianten
Die Anführungszeichen signalisieren, dass es wohl nicht um eine Form der klassischen Musik geht, und der Untertitel bestätigt es durch den Hinweis auf die Bildende Kunst. In dem Zusammenhang stellt sich die Frage, was die Begriffe Variation und Variante unterscheidet. Variation in der Bedeutung Veränderung ist eine in der Musik äußerst beliebte Technik, welche über ein geringes Abweichen vom Original hinausgeht. Genau das ist aber das Kennzeichen einer Variante, die als allgemeine Bezeichnung im Sprachgebrauch verankert ist.
Die in der Musik beheimateten Begriffe der folgenden Anmerkungen sind ein Indiz für die vielen Gemeinsamkeiten der beiden Künste.
Bei der Variation unterscheidet man in der Musik 3 Arten, die auch gemischt werden können. In der Choral- oder cantus firmus- (c. f.) Variation ist die Melodie, das „Thema“ noch erhalten und wird von anderen Stimmen umspielt. In der Charaktervariation wird das Thema vor allem durch Veränderung der Tonart und Harmonien in eine andere Stimmung versetzt.
Die Figuralvariation als 3. Möglichkeit beinhaltet eine durch kleinere Notenwerte erreichte figura-tive Auflösung bzw. Umspielung des Themas, was mit den entsprechenden Mitteln auch bei einer Zeichnung geschehen kann.
Ausgangspunkt und Thema der Ross Abbey – Serie ist eigentlich der Scherenschnitt (unter Nr. 2), so dass sie in der Bleistiftzeichnung mit einer figurativen Ausgestaltung des „Schattenbildes“ beginnt. Figurative Auflösungen weisen auch die zweifarbigen Varianten der beiden letzten Themengruppen auf. Durch die Beibehaltung der ursprünglichen Themagestalt bei rigorosen Farb- und Helligkeitsveränderungen entsprechen sie jedoch vorwiegend der Kombination von c. f. – und Charaktervariation. Die 35-teilige Gesamtform könnte musikalisch gesehen als „Variationssuite in 3 Sätzen“ umschrieben werden. Suite bedeutet zunächst nur „Folge“ – in der klassischen Musik von kurzen, oft tänzerischen Sätzen, die aufeinander abgestimmt sind.
So unterschiedlich die drei Themen bzw. Ausgangsgrafiken sein mögen, spiegeln sie doch mit dem Übergang von der realen Darstellung zur Abstraktion eine spannende Epoche der Kunst- wie auch der Musik-Geschichte : die Entwicklung vom Realismus und Impressionismus zum Expressionismus mit der sich verselbständigenden Abstraktion.
Die beiden Ross Abbey-Darstellungen sind noch realistisch, wenngleich die Reduktion auf ihr Schattenbild in imaginärem Raum eine Abstraktion darstellt. In den Varianten bzw. Variationen werden die Mittel der Verfremdung von der „manuellen“ Umgestaltung zu einer „elektronischen Bildbearbeitung“ erweitert, die ungewohnte und neue „Aspekte“ eröffnet.
Die Tuschezeichnung „Zechen-Impression“ ist keine Abbildung einer Industrieanlage, sondern das Festhalten von diesbezüglichen Erinnerungs-Bruchstücken. Als halbabstrakte Formulierung lässt sie der Fantasie reichlich Raum und eignet sich dadurch besonders für jegliche Art von Abwandlungen. Die Farben können – zumindest bei „Synästhesisten“ – Assoziationen zu Klangfarben und Tonarten wecken. So dürfte beispielsweise die „Variation in Grün und Rot“ musikalisch mit „Variation in F – dur“ gedeutet werden, Variation in Dunkelrot mit A-dur und Variation in „nächtlichem Schwarzblau“ mit Variation in c-moll.
Der Gebrauch der Elektronik eröffnet nebenbei ein Ausdrucks- bzw. Gestaltungsmittel, über das „normale Bilder“ nicht verfügen : Während diese durch darauffallendes Licht sichtbar erscheinen, werden sie auf einem Display von hinten er- und durchleuchtet wie bei einem Film oder Transparent. Damit lässt sich nicht nur Tages- und Sonnenlicht täuschend echt darstellen, sondern auch der Effekt des Fluoreszierens, welcher in der Bilderfolge mehrere Male zu beobachten ist.
Deren mittlerer Teil wird von einer abstrakten Grafik mit ihren wechselnden Stimmungen gebildet. Der Papiercollage einen passenden Namen zu geben, ist nicht leicht; daher seien hier nur subjektive Assoziationen genannt, welche durch die „herumliegenden Schnipsel“ ausgelöst werden könnten. Die aus der Ebene ragenden Balken dürften beispielsweise an Ziehbrunnen in der ungarischen Puszta oder an das Mikadospiel erinnern.
Nüchtern betrachtet, handelt es sich um schwebende Rechtecke in einem atmosphärischen Raum. In unbegrenzte Dunkelheit gehüllt lassen sie vielleicht an das Universum denken. Dessen Himmelskörper sind dann allerdings durch Formen vertreten, die eindeutig auf den Planeten Erde verweisen.
Norbert König
Porträtfotos
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